Tabaklobby: Gesundheitsgefahr durch Tabakerhitzer?

Viele Experten stimmen darin überein, dass Verdampfer und Tabakerhitzer mit einem wesentlich geringeren Gesundheitsrisiko als Tabakzigaretten einhergehen. Dennoch beharren sie darauf, dass ein Restrisiko besteht. Doch wie lässt sich dieses Restrisiko bewerten? Die Diskussion rund um die Gesundheitsgefahr von E-Zigaretten zeigt vor allem, dass es neben der Gesundheit der Bevölkerung auch um Interessen einzelner Unternehmen geht.

Denn genau genommen lässt sich die Frage noch nicht eindeutig beantworten. Im Fall der neuartigen Tabakerhitzer, die Tabak nur erhitzen, ihn aber nicht verbrennen, gibt es erst wenige Studien. Zumindest liegt die Schadstoffbelastung mit 80-99 Prozent unter der des Zigarettenrauchs. Das liegt daran, dass beim reinen Erhitzen des Liquids geringere und andere Schadstoffe entstehen als bei der herkömmlichen Tabakverbrennung. Public Health England (PHE) schreibt auf dem offiziellen Internetauftritt der britischen Regierung sogar, dass E-Zigaretten der Gesundheit um 95 % weniger schaden als herkömmliche Zigaretten.

Wie der Erfolg der E-Zigarette die Tabakkonzerne hellhörig machte

Die Tabakkonzerne verfolgten den Trend zu risikoärmeren Inhalatoren von Anfang an nur zögerlich, obwohl sie sie teilweise bereits selbst entwickelt hatten. Hintergrund war wohl, dass sie ihr lukratives Tabakgeschäft nicht gefährden wollten. Erst als sich der deutliche Erfolg der Start-up-Unternehmen herausstellte und die Community rund um die E-Zigaretten-Konsumenten immer größer wurde, wuchs der Druck auf die Konzerne. Folglich betraten auch sie den Markt. Es ist daher auch ein bisschen widersprüchlich, dass sie einen Markt, den sie gerade erst zu erschließen beginnen, reguliert sehen möchten.

Auch Hersteller für Nikotinersatzprodukte sind hellhörig geworden seit ihre Pflaster und andere Entwöhnungsmedikamente Konkurrenz durch die E-Zigarette bekommen haben. Sie sind für eine möglichst strenge Regulierung der E-Zigarette in der EU.

Noch rangiert Deutschland nach Österreich auf dem vorletzten Platz der Tabakkontrollskala. Soll die deutsche Zurückhaltung bei der Suchtprävention durch das fleißige Verteufeln der E-Zigarette kompensiert werden?

Tabaklobby - Tabaklobby: Gesundheitsgefahr durch Tabakerhitzer?
Miniature stop smoking concept, Group of miniature mini figures with destroy cigarettes on wooden table background

Die britische Lösung

Die Briten haben eine andere Lösung gefunden, um dem Tabakkonsum Herr zu werden. Sie setzen seit einigen Jahren insbesondere auf die E-Zigarette. Das Ziel dieser Maßnahme besteht darin, die Raucherprävalenz zu senken. Immerhin hat dadurch die Zahl derer zugenommen, die dank der E-Zigarette mit dem Rauchen aufgehört haben. Die Statistik verdeutlicht diese positive Entwicklung: Zwischen 2001 und 2016 ist der Anteil der Tabakkonsumenten Großbritanniens von 27 auf 15,8 % gesunken.

Diese Entwicklung ist gewissermaßen auch ein Trendindikator, denn sowohl in Japan als auch in Europa brechen die Umsätze mit herkömmlichen Zigaretten allmählich weg.

Strengere Regulation wahrscheinlich

Nun bleibt es der Gesundheitspolitik überlassen, zu entscheiden, ob sie sich auf die Argumente der Tabaklobby einlassen möchte und den E-Zigaretten-Konsum stärker reglementieren oder an einer Entwicklung hin zu risikoärmeren Rauch- bzw. Dampfmöglichkeiten arbeiten möchte.

Eine Maßnahme, die der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK) erwägt, lautet, die Werbung für E-Zigaretten und Tabakerhitzer zu verbieten. Das Bündnis für Tabakfreien Genuss (BfTG) und der Verband des eZigarettenhandels (VdeH) haben darauf mit einer Selbstverpflichtung reagiert und hofften, die Politik damit beeinflussen zu können. Dazu gehört auch, dass die Werbung nicht den Anschein erwecken darf, dass E-Zigaretten unbedenklich für die Gesundheit wären oder gar eine medizinische Wirkung hätten.

Politik muss die Gefahren trotz Lobbyarbeit abwägen

Gesundheitspolitiker befürchten, dass ohne ein Werbeverbot gerade junge Kunden die Gefahr, die vom E-Zigaretten-/Tabakerhitzer Konsum ausgeht, unterschätzen könnten. Schließlich gibt es eine Vielzahl an Aromen, die den harten Geschmack des Nikotins überdecken können.

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) greift diese Bedenken in ihrem aktuellen Bericht auf. Darin betont sie allerdings, dass sich die langfristigen Folgen für die Konsumenten noch gar nicht eindeutig bewerten lassen. Sie beruft sich aber auch auf den Inhaltsstoff Nikotin, der sehr schnell süchtig machen und das Gehirn dauerhaft schädigen soll.

In Deutschland ist es vorläufig zu einem Kompromiss gekommen, der sowohl die großen Tabakkonzerne als auch die E-Zigarettenhersteller einschränkt. 2021 beginnt nämlich ein schrittweises Werbeverbot für Zigarettenwerbung. Es erlaubt Zigarettenwerbung nur noch im Ladengeschäft sowie vor Kinofilmen, die ab 18 Jahren freigegeben sind. Ab 2023 soll es dann auch für Tabakerhitzer und ab 2012 für E-Zigaretten gelten.

Aktualisiert am 4. Dezember 2020

Ähnliche Beiträge

Kommentare

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

- Tabaklobby: Gesundheitsgefahr durch Tabakerhitzer?

Facebook

3,224FansGefällt mir

Meistgelesen

Testbericht Manta RTA von Advken

Manta RTA im Test Diesmal möchte ich dir den Manta RTA von Advken vorstellen. Dieser Verdampfer ähnelt...

Base mischen mit Nikotin Shots

Warum Base mischen mit Nikotin Shots sinnvoll sein kann In diesem Beitrag geht es um das Base mischen mit...

Bunkerbase (48 mg) runtermischen

In diesem Beitrag geht es um das Bunkerbase-Runtermischen (nachfolgend "BB" genannt). Du erfährst nicht nur, was du dafür alles brauchst,...